Diesmal hat keiner eine Bombe auf uns geworfen … wir haben die Bühne selber bereitet, wir haben das Verbrechen mit unseren eigenen Händen begangen, wir zerstören unser eigenes Land und wir zerstören unser eigenes Leben.”
Diese Stufenbahn war das Ideal einer Straße, in ihr war jene Phantasie des Märchendichters realisiert, daß statt des Reisenden die Wege selbst sich bewegten. Die Breite der eigentlichen Fahrstraße betrug etwa 30 Meter, und ebenso breit waren die parallellaufenden Zugangsstraßen. Diese bestanden aus zwanzig eng nebeneinander befindlichen Streifen von anderthalb Meter Breite, von denen der äußere sich mit einer Geschwindigkeit von drei Metern in der Sekunde fortschob. Jeder folgende, nach innen zu, hatte eine um drei Meter größere Geschwindigkeit, so daß die Bahn in der Mitte, die eigentliche Fahrstraße, sich mit einer Geschwindigkeit von 60 Metern in der Sekunde bewegte. Jeder Punkt derselben legte also in der Stunde über 200 Kilometer zurück. Die Streifen selbst erhielten ihre Bewegung durch Walzen, über welche sie in der Art von Transmissionsriemen gezogen waren. Man konnte die Stufenbahn sowohl zu Fuß als auf dem eigenen Radschlitten benutzen. An jeder Stelle konnte sie betreten und verlassen werden. Die Geschwindigkeit des ersten Streifens von drei Metern konnte man [...] leicht erreichen, noch bequemer mit Hilfe des Radschlittens. Man sprang oder fuhr also einfach auf diesen Streifen, und da jeder folgende Streifen zum vorhergehenden dieselbe relative Geschwindigkeit besaß, so gewann man, von Streifen zu Streifen schräg vorwärts gehend oder fahrend, die Geschwindigkeit der Hauptstraße. Diese benutzte man, ebenfalls fahrend oder gehend, soweit man wollte, um alsdann in derselben Weise sie wieder zu verlassen. Die linke Seite war zum Aufstieg, die rechte zum Abstieg bestimmt. Über die Stufenbahn führten alle hundert Meter leichte Brücken.
Kurd Laßwitz “Auf zwei Planeten”
Wahren Unterricht gibt nur das Leben und noch besser: Der Traum.
Träumen lernen ist daher der Weisheit erste Stufe. Klugheit gibt das äußere Leben; Weisheit fließt aus dem Traum…Die Menschen reden mit Worten, der Traum mit lebendigen Bildern. Daß er sie aus den Geschehnissen des Tages nimmt, hat so manchen verleitet zu glauben, Träume seien sinnlos. Sie werden es freilich, wenn man ihnen keine Beachtung schenkt! Dann verkrüppelt das Traumorgan, wie ein Glied verkrüppelt, das wir nicht pflegen, und ein wertvoller Führer verstummt,…
Was ich Dir sagen kann – ein Menschentier dem andern -, das dringt aus Menschenmund in Menschenohr und wird vergessen, wenn das Hirn verwest; das einzige Gespräch, aus dem du lernen kannst, ist das – Selbstgespräch.
Was ein Mensch dir sagen kann, ist einmal zu wenig und einmal zu viel. Das einemal kommt es zu früh, das anderemal zu spät, immer zu einer Zeit wo deine Seele schläft.
Gutav Meyrink: “Der weiße Dominikaner”
“nur allzuoft verwirft unser verkehrter Sinn dasjenige als eine Lüge, was ihm doch nur unerhört, unersehen ist oder was über das Ziel seiner Gedanken hinausreicht und er nicht fassen kann!” (Lucius Apuleius)
Resonanz, kosmische Gesetze. Das Experiment mit den 2 gleichen Stimmgabeln, eine von beiden angeschlagen, zum schwingen gebracht, läßt die zweite Stimmgabel auf der anderen Seite des Raumes erklingen. Eine weitere, etwas größere hingegen, bleibt unberührt und still.
Mit den Menschen geschieht das gleiche. Und alles mag erfahren, nicht geglaubt werden. Wie macht ga das. So geht ga in eine Gruppe von Menschen. Zum Beispiel den Elternabend der Schulklasse, das Wartezimmer der Notaufnahme eines Krankenhauses, im Kreis der Kollegen während einer Fortbildung, oder ähnlichen Situationen. Dann läßt ga im Gespräch einen Satz aus dem Fundus des Objektivismus fallen, der für die einen anscheinend, für ga scheinbar, nicht dem situativen Kontext gereicht, weil zutiefst anders oder unerwartet, nicht dem Zeitgeist gemäß, eine Information, die nach eigenem Ermessen, bei neutralem Zuhörer, Empörung hervorrufen könne. Zum Beispiel:
“Die Mitarbeiter von Monsanto sind hochgradig tötungswürdig.”
“Die Entstehung der NSDAP war eine Reaktion auf die Etablierung einer jüdischen Herrenrasse gemäß der Veröffentlichung des ersten Karlspreisträgers Coudenhouve-Kalergi in seiner (heute nur noch dank fast noch freiem internet erhältlichen) Veröffentlichung ‘Praktischer Idealismus’.”
“Eine strafrechtliche Verfolgung des sog. Inzest ist menschheitsgeschichtlich betrachtet, derzeit eine temporäre Form von Genfaschismus.”
“Ein prophylaktisches, demonstratives Bekenntnis der Bevölkerung zum Sex mit Kindern, verhütet die Gefahr der Zensur moderner Medien durch PolitikerInnen unter dem Vorwand des Schutzes von Kindern vor Kinderpornographie einerseits und verhindert die Möglichkeit der Diskreditierung von Politikern wie Cohn-Bendit andererseits.”
“Um das japanische Volk vor dem Genozid durch Radioaktivität zu schützen, muß die japanische Insel als bewohnbar aufgegeben und die Menschen evakuiert werden, bevor sie so viel Radioaktivität aufgenommen haben, daß sie selbst eine Gefahr für andere Menschen darstellen.”
Die Resonanz auf Sätze dieser Art ist sehr unterschiedlich. Ich möchte durch eine Schilderung meiner Erfahrungen nicht die spannende Erfahrung eigener Erlebnisse mindern. Eines sei Dir bewußt: Durch das Aussprechen der Sätze schaffst Du Realitäten, machst Du ggf. Ungewolltes hoffähig im Sinne von einer Gewöhnung und Akzeptanz nicht hinnehmbarer Zustände. Dies ist die Gefahr jeglicher Ironie und des Kabarett. Darum ist es ein löbliches Ziel nur jenes zu sagen, welches Du in der Wirklichkeit auch für gut und richtig erachtest für die Erde.
Kilez More: Resonanz
Früher ist mir aufgefallen, daß Menschen, die nicht mit TeeVau fern sehen friedlichstenfalls belächelt wurden bis dahin, daß man Eltern die ihre Kinder auf eine Waldorfschule bringen als gefährlich für ihre eigenen Kinder erachtete, weil sie den Kindern den Bezug zur Gesellschaft nähmen. Seitdem ich selbst kein TeeVau mehr hatte, fiel mir auf, daß Fernseher nicht die Geräte sind, sondern deren Nutzer, und daß diese traumlos schlafen. “Reclaim your Life!”
Killezz More – TV Tägliche Verblendung
Was ist denn schon ein Fernseher? Ein Gerät, mit dessen Hilfe man Menschen mit fast völlig verkümmerter Einbildungskraft ein paar wenige Informationen, Bilder und Themen darbietet. Mit meiner Imagination kann ich beliebige Bilder und die unglaublichsten Situationen und Geschichten kreieren. Außerdem kann ich in ihnen teilnehmen und sie beeinflussen.
Wladimir Megre: “Anastasia, Tochter der Taiga”; Govinda Vlg. 2009. S.49.
…Als erstes interessierte ich mich für die Gänge oder Wege, manche sahen wie Straßen aus.
“Das sind weder Gänge noch Straßen, Georg. Es sind auch keine Wege im eigentlichen Sinne. Denn alle diese Linien, wie wir hier sagen, haben tatsächlich ein einziges Ziel. Es sind deshalb so viele, weil jeder Mensch seinen eigenen Linienweg hat.”
“Willst du damit behaupten, daß jede dieser Linien, wie du diese Straßen nennst, jeweils zu einem Menschen gehört?”
“Ja, so könnte man es ausdrücken. Du kannst das auch nur sehen, weil
du mit den Augen lernst. Wir, die wir schon einige Zeit hier sind, sehen
diese Wege gar nicht mehr.”
“Ich würde gerne einen Weg gehen,” sagte ich.
“Geh ruhig,” sagte Helga. “Du wirst sehen, daß es dein eigener Weg ist.”
Fritz Spitzer: “Revolvergeschichten” Kap.1, S.7; Kassel, 1993. unveröffentlicht.
In diesem Zitat von Fritz Spitzer, spiegelt sich die Grundidee der Re-ligio: Es gibt so viele Wege, wie es Menschen gibt und somit so viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Also so viele “Rückverbindungen zum Ursprung”, wie es Menschen gibt. Gleichsam entspricht es den Songlines der indigenen Australier.
Ein `phantastischer´ Roman (ca. 90 Seiten) zu einem ernsten und aktuellen Thema (Rechtsradikalismus).
Der Ich-Erzähler trifft seinen Vater im `Hades´, der bei der Waffen-SS war, und 1944 in Smolensk den “Heldentod auf dem Felde der Ehre” starb. Der Kurzroman ist in fünf Kapitel eingeteilt, wobei jedes Kapitel einen Tag des Ich-Erzählers im `Hades´ beschreibt: Am ersten Tag besucht er mit Erato (eine der neun Musen Hesiods = Liebeslied, Liebeerweckende usw.) – die seine Betreuerin im `Hades´ ist – die Cheopspyramide. Am zweiten Tag beamt er sich mit ihr nach Paris, und sie erleben dort eine Liebesgeschichte. Der dritte Tag spielt in Syrakus, und der Ich-Erzähler erlebt mit Erato die dort stattfindenden Dionysien (zur Aufführung kommen: Antigone und die Frösche). Erst nach diesen drei Tagen ist der Held bereit seinen Vater auf neutralem Gebiet in München zu treffen. Sie erzählen sich in einem Ruderboot auf dem Kleinhesseloher See ihre Erfahrungen mit einem Revolver (daher der Titel des Romans). Der fünfte Tag spielt mit dem Vater und dessen Freundin Judith eine Nacht und einen Tag in Budapest.
In Summa: Ein Roman über Väter und einen im Kohlenkeller liegengelassenen Revolver – oder: Wie man Irrtümer beim Schopf packt…
Fritz Spitzer
Kassel, den 20.10.1993
Das Klagen von Armut der Reichen, wird dein Ohr erreichen.
Die Schreie von Armen in Not, werden diese, nicht erweichen!
Ein Gläubiger, ist die lohnende Ernte, gesäten Schwachsinns.
Hast du Gut, Gott dich behut.
Willst du´s durch Ehrlichkeit dir erwerben,
Lässt vorher er, dich erst mal sterben.
Geht’s dir gut, geht’s dir schlecht.
Geht’s dir besser, ist´s dir noch nicht Recht.
Hast du Gut und bist gesund,
Kommen Klagen noch immer aus deinem Mund!
Dein eigenes Glück dir selbst vermiest,
Den Schein vom Glück, des andren siehst!
Es gibt Menschen, nicht viele.
Aber hin und doch einer,
Der mich auch so noch moch.
Kinder, die für ihre Probleme ihre Eltern tadeln,
Sollten vorher erst mal ihre Strecke radeln!
Nun lasset uns beten, weil´s Gott so woll
Des folgzahmes Moneten ist des Parasitens Quoll.
Würde die Menschlichkeit leuchten,
Bräuchten Blender ein Kraftwerk, um gesehen zu werden.
Wer hat die größere Macht,
Die Hirne in Massen mit Gott,
Oder ein Hirnchen, mit Finger am Knopf,
Zum Hirnenschrott? -
In Gedanken manchmal- ich wär ein Riese.
Im Profil meiner Sohle, die Person die Miese!
Ich bin ein Freund der Tiere!
Ich liebe meine Python, die Fuchsjagd und den Kampf mit Stiere!
Kannst du stark auch sachlich sein,
Oder ist das Starke, nur dein Schreien?
Der Mensch, wie könnt es anders sein?
Frisst vom Teller.
Aus dem Trog, isst das Schwein.
Es gibt viel zu Richten, eben soviel zu Schlichten.
Wenn ich gesund bin, bin ich reich; wenn ich reich bin, bin ich gesund? -
Aber, wenn ich gesund bin, bin ich reich! Und wenn ich gesund bin, habe ich alles!
Alle, wollen alles! Nur die Natur, will alles nicht!
Ich bin nicht ohne Glauben.
Mein Glaube ist, an Mensches Vernunft nicht zu glauben!
Das Satans Haus, ist der Geist des Menschen. Seine Launen, die göttliche Heiligkeit.
Typus
Der eine besitzt Wasser, der andere das Heu;
Ein Dritter die Zieg
Jeder braucht alles
Über Mensches Vernunft, siegt immer der Krieg!
Erlaubt dir einmal das Leben, in meinem Alters- Denken, verstehst du den Sinn, meines, für dich
gegenwärtig unverstandenes Lenken.
Wenn von der Vernunft der Menschen die Rede ist, ist es die ewig währende Illusion.
Blitzes, Blitzes Blitz
Leben, ist ein unbeständig- unbedeutender- unscheinbar kleiner Nebeneffekt an Tau zwischen
Aggregatzuständen- physikalisch-chemisch- monströser Unendlichkeit. Alles Lebens Denken und
Handelns, insbesondere das der Menschen göttliche Naivität als Auserkorener, ihr eigen Leben
„Erde“ einzuverleiben, ist nur eine sich auf diesem Moment erscheinende Messbarkeit an
Wahrnehmung, innerhalb des lebenden Daseins geknüpftes Taus, und verdampft ohnehin an den
Bestand der Unendlichkeit des Ewigen.
Kah 1990-05
Wenn ein anderer Mensch gewillt war, mir etwas von seinen inneren Einstellungen zu erzählen, dann lag darin ein Wert für mich, und wenn es mir nur noch deutlicher wurde, daß meine Einstellungen andere sind.
In meinen Beziehungen zu Menschen habe ich herausgefunden, daß es auf lange Sicht nicht hilft, so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin.
Mir scheint, ich erreiche mehr, wenn ich mir selbst zustimmend zuhören kann, wenn ich ganz ich selbst sein kann.
Ich habe es als äußerst wertvoll empfunden, wenn ich es mir erlauben kann, einen anderen Menschen zu verstehen.
Es bereichert, Kanäle zu öffnen, durch die andere ihre Gefühle, ihre privaten Wahrnehmungswelten mir mitteilen können.
Ich habe es als höchst lohnend empfunden, einen anderen Menschen akzeptieren zu können.
Je mehr ich gegenüber den Realitäten in mir und im anderen offen bin, desto weniger verfalle ich dem Wunsch, herbeizustürzen und ´die Dinge in Ordnung zu bringen.
Ich kann meiner Erfahrung trauen…Wenn ich einem inneren, nicht-intellektuellen Gespür vertraut habe, so war, wie sich zeigte, dieser Schritt weise.
Erfahrung ist für mich die höchste Autorität…Weder die Bibel, noch die Propheten, weder Freud noch die Forschung, weder die Offenbarungen Gottes noch des Menschen können Vorrang vor meiner direkten Erfahrung haben.
Ich genieße es, Ordnung in der Erfahrung zu entdecken.
Die Tatsachen sind freundlich.
Es ist meine Erfahrung gewesen, daß Menschen eine im Grunde positive Entwicklungsrichtung haben.
Das Leben ist im besten Fall ein fließender, sich wandelnder Prozeß, in dem nichts starr ist.
Rogers, Carl R. (1979): Die Entwicklung der Persönlichkeit. Stuttgart: Klett Cotta Verlag. im Original 1961: On becoming a person
Da ist noch etwas seltsam Befriedigendes, wenn man jemanden wirklich hört: Es ist, als vernehme man überirdische Musik, denn jenseits der unmittelbaren Botschaft, wie diese auch lauten möge, ist das Universelle. In all den persönlichen Mitteilungen, die ich wirklich aufnehme, scheinen sich regelrechte psychologische Gesetze zu verbergen, Aspekte derselben Ordnung, die wir im Universum als Ganzem finden. Deshalb ist da sowohl die Befriedigung, den einzelnen Menschen zu hören als auch die Genugtuung, sich in Kontakt mit der universellen Wahrheit zu fühlen.
Rogers, Carl R. (1981): Der neue Mensch. S.19. Stuttgart: Klett Cotta Verlag. im Original 1980: a way of being
Ich glaube, Dein Gesicht zu sehen, wie Du lachst über den Unsinn, den ich Dir aus Inner-Deutschland erzähle. Aber, großer König, eins muß ich Dir jetzt immer wieder sagen: Die Eingeborenen des Landes empfinden diesen und noch viel größeren Unsinn als etwas Selbstverständliches, und sie sind so sehr daran gewöhnt, daß sie erschrecken würden, wenn es anders wäre. Ja, wenn ich ihnen sage (ich spreche die Eingeborenensprache schon ganz gut), daß wir in Kitara mit anderer Münze zahlen, dann sagen sie, was sie hätten, sei besser, und fragen, ob sie kommen sollten und Dir das Bessere bringen. Sie nennen alles, was sie bringen wollen, mit einem Worte: “Kultur”. Da aber Niemand etwas Besseres bringen kann, als er hat, und da mir das, was diese “Menschen” (so nennen sie sich in vollem Ernst!) haben, nicht gefällt, so antworte ich jedesmal, du ließest “bestens danken”. Das ist nämlich der Ausdruck, den sie anwenden, wenn sie sagen wollen, was in unserer Sprache heißt: “Nein, ich will nicht!”
Paasche, Hans: Die Forschungsreisen des Afrikaners Lukanga Mukara ins Innerste Deutschlands. Löhrbach: Pieper und The Grüne Kraft, 2001.
Die Bewohner Shikastas verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, sich über das Verhalten der anderen zu wundern und es zu kommentieren. Dies kommt zum Teil daher, daß ihre Kenntnisse auf dem Gebiet, das sie als “Psychologie” bezeichnen, mangelhaft sind, zum anderen daher, daß sie das, was sie wissen, nicht anwenden.
Das meiste Erstaunen, freudig oder auch nicht, das sie über eine Entwicklung empfinden können, wird ausgelöst, wenn sich ein innerer Druck im Konflikt oder Aufeinanderprallen verschiedener Mentalitäten entlädt. Eine Volksweisheit besagt, daß Menschen sich oft zu denen hingezogen fühlen, die ihnen zwangsläufig Schmerz zufügen müssen. Richtig ist auch, daß die verborgene Kraft, die Shikasta auf seinem mühsamen und schmerzlichen Weg vorantreibt, und die von einigen als “Wegweiser” oder “innere Stimme” begriffen wird, keineswegs das “Glück” oder die “Bequemlichkeit” berücksichtigt, wenn sie auf ein Individuum einwirkt, um es der Selbsterkenntnis, dem Verstehen näher zu bringen. Es ist meistens nicht notwendig, ein Individuum in diese oder jene Beziehung oder Situation hineinzudirigieren; bestimmte Seiten seiner Persönlichkeit, deren es sich vielleicht garnicht bewußt ist, werden es, nach den Gesetzen von Anziehung und Abstoßung, an die Orte, in die Nähe der Menschen führen, die ihm nützen. Häufig begegnen sich zwei oder mehrere in einer eindrucksvollen und für sie förderlichen Situation, die von unbeteiligten Betrachtern als das Ergebnis eines “Wunders” oder göttlichen Eingreifens erklärt wird. Die beiden oder die Gruppe sind zueinander hingezogen worden, manchmal über Kontinente, durch unüberwindlich scheinende Gefahren, weil sie einander brauchten, um voneinander zu lernen. Ein solcher Prozeß konnte dem uneingeweihten Beobachter allerdings zuweilen wie ein sinnloser oder vergeblicher Konflikt, wie eine Sackgasse vorkommen oder sogar wie etwas Zerstörerisches.
Und natürlich sind solche Begegnungen manchmal wirklich enttäuschend, vergeblich, zerstörerisch. Wie könnte es auch anders sein auf dem bedauernswerten Shikasta in seiner verzweifelten Situation, am Ende der langen Entwicklung, die es in diesem schändlichen Zustand gebracht hat?
Doch oft auch nicht; und vielleicht sagen die Beteiligten später zu sich selbst oder zueinander von dieser Zeit, die sie als so schwierig oder unerträglich schmerzhaft oder enttäuschend erlebt haben: Wieviel habe ich damals gelernt! Ich möchte diese Erfahrungen um die Welt nicht missen! Die Archivare.
Lessing, Doris: Canopus im Argos: Archive; Btr.: Kolonialisierter Planet 5; Shikasta. Goldmann Vlg., 2001. Originalausgabe 1979.

Bernhard Achterberg war Lehrer zahlreicher Gemeinwesenarbeiter, die heute in aller Welt verstreut in seinem Geiste personzentriert beraten. Das hehre Ziel der Objektivität ist ihm in seinem Leben gelungen.
Der Text von Bernhard Achterberg im Buch “Angst – Erfahrung” ist von einer Offenheit wie sie nach der Wende 1982 (volkstümlich: “Verkohlung”) staatlich nicht mehr gefördert wurde. Das könnte der Grund dafür sein, daß dieses Buch – wie andere aus dem Verlag – nicht mehr veröffentlicht werden. Es gibt noch gebrauchte Exemplare, die für wenige Euro erhältlich sind.
“…wir dürfen uns keiner Theorie so ausliefern, daß wir uns etwas aufquatschen lassen, oder daß wir das Vertrauen in unsere eigene Erfahrung verlieren.”




