Diese Stufenbahn war das Ideal einer Straße, in ihr war jene Phantasie des Märchendichters realisiert, daß statt des Reisenden die Wege selbst sich bewegten. Die Breite der eigentlichen Fahrstraße betrug etwa 30 Meter, und ebenso breit waren die parallellaufenden Zugangsstraßen. Diese bestanden aus zwanzig eng nebeneinander befindlichen Streifen von anderthalb Meter Breite, von denen der äußere sich mit einer Geschwindigkeit von drei Metern in der Sekunde fortschob. Jeder folgende, nach innen zu, hatte eine um drei Meter größere Geschwindigkeit, so daß die Bahn in der Mitte, die eigentliche Fahrstraße, sich mit einer Geschwindigkeit von 60 Metern in der Sekunde bewegte. Jeder Punkt derselben legte also in der Stunde über 200 Kilometer zurück. Die Streifen selbst erhielten ihre Bewegung durch Walzen, über welche sie in der Art von Transmissionsriemen gezogen waren. Man konnte die Stufenbahn sowohl zu Fuß als auf dem eigenen Radschlitten benutzen. An jeder Stelle konnte sie betreten und verlassen werden. Die Geschwindigkeit des ersten Streifens von drei Metern konnte man [...] leicht erreichen, noch bequemer mit Hilfe des Radschlittens. Man sprang oder fuhr also einfach auf diesen Streifen, und da jeder folgende Streifen zum vorhergehenden dieselbe relative Geschwindigkeit besaß, so gewann man, von Streifen zu Streifen schräg vorwärts gehend oder fahrend, die Geschwindigkeit der Hauptstraße. Diese benutzte man, ebenfalls fahrend oder gehend, soweit man wollte, um alsdann in derselben Weise sie wieder zu verlassen. Die linke Seite war zum Aufstieg, die rechte zum Abstieg bestimmt. Über die Stufenbahn führten alle hundert Meter leichte Brücken.

Kurd Laßwitz “Auf zwei Planeten”

 

Wenn du glaubst, du seist das erste mal hier, wenn du den Tag erlebst und nicht im Traum lebst, dann beginne jetzt und werde dir der Ordnung bewusst. Die Freiheit liegt im Schlaf, im Traum, die Zeit ist überwunden, es gibt keine Langeweile, es gibt kein Abwarten der linearen Zeit, die Zeit im Traum ist rein qualitativ, und du hast jederzeit einen Einfluss darauf, welche Zeit herrscht, welche Tageszeit, welche Jahreszeit, welcher Ort. In der Nacht, im Schlaf ist jede Entfernung überbrückbar, bedarf es keiner Nahrung. Jedes Bedürfnis ist erfüllbar, es gibt weder Abhängigkeiten von Menschen noch von Zahlungsmitteln. Alle Wünsche sind erfüllbar ohne Zerstörung der Lebensgrundlage. Es ist ein Irrglaube, dass das Wesentliche des Lebens im Wachen geschieht. Das Wachen, der Tag ist die Zeit der Regeneration, geschaffen um für den Körper die lebenserhaltenden Maßnahmen durchführen zu können, die den Organismus aufrechterhalten mögen für das kommende Abenteuer, den nächsten Traum. Glaubt der Mensch, dass das wesentliche Leben im Wachen stattfindet, so verbringt er seine Zeit damit, abhängig zu sein von einer Erfüllung von geistigen Bedürfnissen, die sich in der Tagwelt sehr viel schwieriger und nie nachhaltig erfüllen lassen, jedoch im Traum. Tagsüber können diese Art Bedürfnisse nur durch die Zerstörung von Natur und Lebensraum erfüllt werden, der Irrweg der Weissen.

Weil diese Menschen, die am Tage und nicht im Traum leben, das System der Nutznießer und Ausbeuter durch ihr eigenes Wachsein unterstützen, nennen wir sie Wächter. Sie bewachen gleichsam diejenigen Menschen, die im Traum leben, sie melden sie, sie stigmatisieren sie. Entweder versklaven die Wächter die Träumer wie die weissen Kolonisten die australischen Ureinwohner, oder sie sperren sie ein und bewachen sie in den Landeskrankenhäusern und Therapiezentren..

Wünsche sind Vorstellungen. Am Tage in der Sonnenzeit sind Vorstellungen nicht nachhaltig erfüllbar und befriedigend. Vorstellungen gehören der Mondzeit an und sind im Traum erfüllbar und wandelbar, nach eigenem Belieben. Die Vorstellungen des Traumes sind die Eigenen und ihre Erfüllung ist selbständig möglich. Die Vorstellungen des Tages sind übernommene Vorstellungen anderer, die sich an Deiner Kraft, die dir zum Erhalt deines Körpers gegeben ist, bereichern wollen, um ihren eigenen Körper über den Bedarf hinaus zu nähren. Es sind dies die Vampire, der Pluto. Menschen, die Geld gegen Zinsen verleihen und ihre Institutionen, Versicherungen, Banken.

Sie werden machtlos wenn der Tag ausschliesslich genutzt wird um den Körper zu regenerieren von den Abenteuern des Träumens. Die Befreiung von Geld und von Geldinstitutionen und damit die Befreiung von den anonymen Graulingen, die Zeit klauen und Seelen kaufen, ist eine der bedeutendsten Übungen in jeder Inkarnation.

Die Erkenntnis der Nacht und ihres Traumes als Lebensinhalt ist Vorbereitung auf die Erkenntnis des Seins ausserhalb der Lebenszeiten.

Dez 302010
 

Moso Frau am Lugu See

Im Osten Tibets lebt der Stamm der Moso. Derzeit ist das Land von dem Stamm der Han (Chinesen) besetzt. Die Moso leben eine Gesellschaftsform, welche den Säulen der Zivilisation und den natürlichen Bedürfnissen des Menschen gleichermaßen entspricht. Verbindungen zwischen Frauen und Männern sind und bleiben unbelastet und freudevoll. Ein Leben ohne Eifersucht als Grundlage für Frieden seit Jahrtausenden kann für die Weltgemeinschaft das Vorbild darstellen.

Zivilisation

Bluterblinien

Eigentumssicherung

Moso Leben

Naturleben

sexuelle Freiheit

 Verliebtsein

 

Christine Mathieu, übersetzt von Barbara Röhl in “Das Land der Töchter: Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört”:

“[...]in den meisten Gesellschaften muß für gewöhnlich ein Faktor zurückstehen, damit die Ehe funktioniert. In patrilinearen männlich dominierten Gesellschaften wird fast immer die romantische Liebe geopfert und fast immer die sexuelle Freiheit und die Lust – der Frauen. In extremeren Fällen hängt möglicherweise die männliche Erblinie von der ausschließlichen sexuellen Kooperation von Frauen und Töchtern ab, etwas, wozu Frauen von Natur aus nicht neigen. Solche Gesellschaften müssen sich große Mühe geben, die Sexualität der Frauen in Schach zu halten und greifen dazu oft zu drastischen Maßnahmen, wobei zu den menschenverachtendsten die weibliche Beschneidung, das Einbinden der Füße, Witwenverbrennungen, Burkas, und alle Arten sozialer Isolation gehören.

Wenn andererseits die Ehe auf den Idealen romantischer Liebe, sexueller Harmonie und der Gleichheit zweier Individuen basiert, statt auf der Sorge um Erblinien und Eigentum, gerät die ökonomische Stabilität, ja die Einheit der Familie selbst in Gefahr. Wie unsere gegenwärtigen Scheidungsraten zeigen, ist die Liebe zwar ein hehres Ideal, aber eine schwache Basis für eine stabile Ehe.

Die Moso dagegen haben eine außergewöhnliche kulturelle Wahl getroffen: Sie haben weder die sexuelle Freiheit noch die romantische Liebe geopfert, weder die ökonomische Sicherheit noch die Kontinuität ihrer Vererbungslinien. Stattdessen haben sie die Ehe verworfen. Gewonnen haben sie eine Gesellschaft, in der alle grundlegenden Bestandteile des Lebens – Nahrung, Zuneigung, Besitz und Familienlinien – Geburtsrechte sind, die durch den alleroffensichtlichsten Umstand der mütterlichen Verbindung hergestellt werden. Interessanterweise finden aus der Perspektive der Familienkontinuität nicht nur Frauen, sondern auch Männer Erfüllung in dieser Lebensweise, die sie von dem Druck befreit, für Nachkommenschaft zu sorgen – denn die Mosofamilien mit ihren zahlreichen Schwestern garantieren fast sicher den Fortbestand bis in die nächste Generation.

Die Moso vertreten idealistisch die Meinung, dass ihre um die Mütter zentrierte Lebensweise die bestmögliche ist und am besten geeignet, Glück und Harmonie zu fördern.”

Yang Erche Namu, Christine Mathieu (2005): Das Land der Töchter: Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört. Ullstein TB Verlag; Berlin.]

Weitere Informationen bei mosuoproject.org